ILO at work: Programme für bessere globale Arbeitsbedingungen

Um die Arbeitsbedingungen dort zu verbessern, wo die Produkte entstehen, die wir kaufen, unterstützt die ILO Regierungen, Unternehmen und Beschäftigte direkt vor Ort. Diese unterschiedlichen Programme zeigen, wie es gehen kann.

Artikel | 16. September 2016

Better Work: Menschenwürdige Arbeit in der Textilindustrie

Über 60 Millionen Menschen, vor allem Frauen, arbeiten weltweit und unter oft schwierigen Bedingungen in der Herstellung von Textilien und Schuhen. In acht Ländern auf drei Kontinenten – Bangladesch, Kambodscha, Haiti, Indonesien, Jordanien, Lesotho, Nicaragua und Vietnam – setzt sich die ILO deshalb mit ihrem „Better Work“-Programm für menschenwürdige Arbeitsbedingungen ein. Dazu gehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ILO in die Fabriken und beraten Management und Beschäftigte darin, wie die Arbeit sicherer und gesünder gestaltet werden kann. Über 1.250 Fabriken und 1,5 Millionen Beschäftigte werden auf diese Weise erreicht. Außerdem bringt die ILO Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitnehmer an einen Tisch, um gemeinsame Lösungen beim Arbeitsschutz zu entwickeln. Neben der konkreten Arbeit in und mit den Fabriken vor Ort konzentriert sich das Programm auch darauf, die großen internationalen Abnehmer mit ins Boot zu holen, um so die gesamte Lieferkette zu erreichen. Das zeichnet „Better Work“ vor allem aus. Dies ist auch möglich, weil zwei große Internationale Organisationen das Programm tragen: Die ILO und die Weltbank.

Positive Auswirkungen auch auf die Unternehmen

Der Erfolg gibt der ILO Recht: Das Programm zeigt, dass sich gute Arbeitsbedingungen und unternehmerischer Ertrag keinesfalls ausschließen. Denn neben den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern profitieren auch Arbeitgeber nachhaltig vom Programm. So konnten beispielsweise in Vietnam über 60 Prozent der Fabriken, die an „Better Work“ teilnehmen, ihre Kapazitäten ausbauen und mehr Mitarbeiter einstellen. In den Unternehmen, in denen die Sicherheitsstandards für die Arbeitnehmer deutlich verbessert wurden, wuchs die Profitabilität um 5,9 Prozent. Auch mehr Mitbestimmung zahlt sich aus: Wenn die Beschäftigten ihre Interessen vertreten und mitbestimmen konnten, steigerte sich die Produktivität um 7,6 Prozent. Und Lohnsteigerungen führten sogar zu höheren Einnahmen: Eine Anhebung der Löhne um ein Prozent ließ die Einnahmen um 0,6 Prozent wachsen. Mit anderen Worten: Wo der Verlust von Arbeitsplätzen befürchtet wurde, haben dank „Better Work“ Produktivität und Produktion zugenommen – bei gleichzeitig besseren Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.

OSH GAP: Globaler Aktionsplan für Arbeitsschutz und Gesundheit

Um arbeitsbedingte Erkrankungen, Unfälle und Todesfälle abzubauen, hat die ILO ein globales Aktionsprogramm „Global Action for Prevention on Occupational Safety and Health“ (OSH GAP) ins Leben gerufen. Warum ein solches Engagement notwendig ist, zeigen die Zahlen: Nach Berechnungen der ILO sterben jährlich 2,3 Millionen Menschen – das sind 6.300 Menschen am Tag – an den Folgen von Unfällen und Krankheiten am Arbeitsplatz. Hinzu kommen zwei Millionen arbeitsbedingte Erkrankungen sowie 313 Millionen Arbeitsunfälle im Jahr. Das hat auch Folgen für die Wirtschaft: 4 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts gehen auf diese Weise verloren. Für sichere Arbeitsplätze zu sorgen, kommt deshalb nicht nur den Beschäftigten zugute, sondern auch den Betrieben.

Unterstützung für Beschäftigte, Unternehmen und Regierungen

Mangelnder Arbeitsschutz trifft vor allem vulnerable Gruppen zu denen Arbeitsmigranten, Frauen, junge Arbeitnehmer und landwirtschaftliche Arbeitskräfte zählen. Die Wirtschaft leidet unter nicht beachteten oder nicht vereinheitlichten Arbeitsschutznormen. Den Staaten wiederum fehlt es oft an Know-how und Kapazitäten, um ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen. Hier trägt die ILO mit ihrem Aktionsprogramm dazu bei, eine Präventionskultur zu etablieren. Sie hilft Regierungen, passende Arbeitsschutzgesetze zu entwickeln. Unternehmen unterstützt sie beim Aufbau von Sicherheitssystemen und -verfahren. Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften werden sensibilisiert und geschult. Darüber hinaus fördert sie den Dialog der verschiedenen Akteure und erarbeitet mit ihnen Compliance-Leitfäden. Sie unterstützt die Beteiligten bei der Schaffung eines Controllings und hilft beim Aufbau eines Inspektionssystems, um die Sicherheitsmaßnahmen vor Ort zu überprüfen.

Das Programm wirkt – von Lesotho bis Paraguay

Um bessere Kontrollmechanismen geht es beispielsweise beim ILO-Engagement in Lesotho. Der Staat hat aufgrund mangelnder und schwacher Inspektionen Schwierigkeiten, die ratifizierten Arbeitsschutzstandards durchzusetzen. Seit Anfang 2016 hilft die ILO deshalb bei der Verbesserung der Compliance-Regeln. So schult sie etwa Inspektoren, um Kinder- und Zwangsarbeit besser zu erkennen, und gibt dem Arbeitsministerium Werkzeuge an die Hand, um künftig eigenständig effektive Kontrollen durchführen zu können. Ähnliche Unterstützung erhält das Arbeitsministerium in Paraguay. Hier begleitet die ILO die Umstrukturierung und technische Aufrüstung und entwickelt gemeinsam mit dem Ministerium den Aufbau einer Arbeitsinspektion – vom Rekrutieren der Inspekteure bis zum Fabrikbesuch vor Ort. Doch auch entwickelte Volkswirtschaften haben noch Luft nach oben in puncto sichere Arbeit. Belgien hat beispielsweise Anfang Juni 2016 das Übereinkommen über den Arbeitsschutz im Bauwesen sowie als eines von 16 Staaten das Übereinkommen über die Teilzeitarbeit ratifiziert.