ILO at work: Das Projekt Entgeltgleichheit in Deutschland

Um die Lohngleichheit bei Männern und Frauen in Deutschland voranzubringen, initiierte die ILO-Berlin einen Dialogprozess mit den Sozialpartnern. In Workshops wurden mögliche Instrumente zur Umsetzung erörtert und internationale Beispiele vorgestellt und auf ihre Übertragbarkeit auf die deutsche Situation überprüft.

Artikel | 30. Juni 2016
Die Regierungsparteien CDU, CSU und SPD haben 2013 das Ziel „Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit“ in ihrem Koalitionsvertrag verankert. Vor allem mehr Transparenz soll für mehr Lohngerechtigkeit sorgen, zum Beispiel durch die Offenlegung von Entgeltstrukturen in großen Unternehmen. Um das Vorhaben zu unterstützen, hat die ILO in Berlin die Sozialpartner im Rahmen eines Konsultationsprojekts an einen Tisch geholt.

Transparente und nachvollziehbare Arbeitsbewertung ja, Eingriffe in die Tarifautonomie nein – nach dieser Prämisse hat die ILO in Berlin das Konsultationsprojekt organisiert und moderiert, an dem Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und Bundesregierung beteiligt waren. Die ILO schaffte dabei nicht nur einen Raum für Austausch, sondern brachte auch ihr Know-how in Sachen Arbeits- und Sozialstandards sowie Praxiserfahrungen aus anderen Ländern mit ein.

Vier Workshops zum Thema Entgeltgleichheit

Über einen Zeitraum von zehn Monaten, von September 2015 bis Juni 2016, bildeten vier Dialog-Workshops den Kern des Projekts. Workshop 1 stellte die ILO-Instrumente zur Förderung von Entgeltgleichheit in den Fokus und ermöglichte einen ersten internationalen Einblick, zum Beispiel in die Anwendung des „ILO EQUITY Guides“ im portugiesischen Hotellerie- und Gastronomiegewerbe. Workshop 2 vertiefte den Blick ins Ausland. Vorgestellt und diskutiert wurden die Entgeltgleichheitsgesetze von Großbritannien, Kanada (Quebec) und Schweden. Im Zentrum des dritten Workshops stand die Tarifpolitik, insbesondere die Frage, wie sich Lohnlücken im Rahmen der Tarifautonomie schließen lassen.

Im Abschluss-Workshop hat die ILO Handlungsempfehlungen formuliert. So soll Entgeltgleichheit stärker in Tarifverhandlungen berücksichtigt und vorangetrieben werden. Internationale Erfahrungen bestätigen die Wirkung. In tarifungebundenen Unternehmen sollen Prüfverfahren zur Arbeitsbewertung mehr Transparenz schaffen und so die Lohngefälle zwischen Männern und Frauen abbauen helfen. Damit die Arbeitsbewertung nachvollziehbar ist, wird die Gründung von Entgeltgleichheits-Komitees empfohlen. Dabei handelt es sich um betriebsinterne Gremien, in denen auch Beschäftigte vertreten sind, die die Entgeltstrukturen erheben und veröffentlichen.

Weiterführende Informationen über das ILO-Berlin Projekt Entgeltgleichheit finden Sie hier.